Gerade komme ich von einer gemeinsamen Pressekonferenz der ABG-Holding, DRK und Fachhochschule Frankfurt.
Thema waren altersgerechte Assistenzsysteme in der Wohnung. Es gibt ein vom Hessischen Wissenschaftsministerium im Projekt LOEWE gefördertes Projekt der Frankfurter Fachhochschule.
Dieses Projekt erforscht die Akzeptanz und die Möglichkeiten von solchen Systemen.
Von ca. 1,2 Millionen Pflegebedürftigen im häuslichen Bereich nutzen nur 400.000 Personen den Hausnotruf.
Begonnen hat das gemeinsame Projekt der ABG-Holding, DRK und Fachhochschule Frankfurt in kleinem Rahmen mit einer Umfrage nach den Bedürfnissen. Recht schnell stieg jedoch die Nachfrage nach Teilnahme an diesem Projekt, so dass im ganzen Gallus nun voraussichtlich 50-60 Wohnungen an dieses Projekt angebunden werden.
Prof. Dr. Klein von der Fachhochschule Frankfurt arbeitet an einem EU-Forschungsprojekt, das die altersgerechten Assistenzsysteme in Australien und Großbritannien untersucht und bewertet.
Erste Ergebnisse in schottischen Projekten, wie z.B. Telecare, zeigen bereits, dass ungeplante Krankenhausaufenthalte durch diese Systeme reduziert werden. Auch die Dauer der Krankenhausaufenthalte reduziert sich, da durch die Systeme eine Hilfeleistung leicht anzufordern ist.
Laut Oliver Backhaus, Geschäftsführer des DRK Frankfurt, braucht der Anwender für die Nutzung dieser Systeme keine Schulung. Die Technik ist bewusst einfach gehalten.
Kern dieser Systeme ist der Hausnotruf, welcher oft der Beginn der Rettungskette ist.

Oliver Backhaus (DRK) erklärt den Hausnotruf
Das in der Modellwohnung vorgestellte Hausnotrufsystem ist modular aufgebaut und besteht im Kern aus einer zentral angebrachte Basisstation und einem am Arm der Person befestigten Auslösegerät. Dieses beinhaltet einen Fallsensor und einen Notrufknopf.
Erweitert werden kann es durch Rauchmelder in der Wohnung, einen Hitzesensor in der Küche, Wassersensor im Bad, Bewegungsmelder, Kontakttrittmatte, Türsensoren und Seilzugmelder.
Wichtig für mich als Pirat war: Wann kann damit in die Wohnung gehört werden, welche Daten werden erfasst, und was bedeutet das für die Miethöhe.
Nur wenn ein Notruf durch das System ausgelöst wird, kann der Zentralist in die Wohnung hören und hineinrufen. Wenn also der Hitzesensor eine erhöhte Raumtemperatur in der Küche von über 57 Grad Celsius feststellt, löst er Alarm aus. Der Zentralist fragt dann über die Basisstation nach, akustisch in der ganzen Wohnung hörbar, ob in der Wohnung alles in Ordnung ist. Bekommt er keine Antwort, informiert er die Rettungsdienste.
Der Umfang und die Art der erfassten Daten hängt von der Art des gemieteten Systems ab.
Im Grundsystem wird nur der Standort der Basisstation und der Zeitpunkt der Notrufauslösung gespeichert. Je mehr erweitert wird, um so mehr Daten werden gespeichert. Um zum Beispiel beim Aussteigen aus dem Bett über die Kontakttrittmatte das Licht bis ins Bad anschalten zu lassen, muss dies in der Basisstation so programmiert werden. Soll zum Beispiel nach längerer Zeit ohne Bewegung (24 Stunden) ein Notruf ausgelöst werden, muss das entsprechend vom System gespeichert werden.
Für die Zukunft wäre denkbar, auch medizinische Daten wie Blutruck, Herzfrequenz usw. über dieses System zu erfassen, um einen stationären Aufenthalt oder die Heimunterbringung zu vermeiden. Nähere Informationen habe ich von Bosch als Hersteller des Systems angefordert.
Die Miete wird wegen des Systems nicht höher. Das DRK vermietet es an den Anwender. Zur Zeit kostet das Grundsystem 18 Euro monatlich. Der volle gezeigte Umfang würde monatlich ca. 50 Euro kosten.
Ach ja, unser neuer Oberbürgermeister hat natürlich eine Begrüßungsrede an die Presse gerichtet und durch seine Anwesenheit sicher nicht unwesentlich zum Interesse der Presse beigetragen.

